"Die Vorläufer der Philatelie sind im Steuer- oder
Fiskalbereich zu suchen ..."
mit diesem Brückenschlag zum gestempelten
Papier überrascht die Redaktion der neuesten Ausgabe der Zeitschrift
"philatelie" (Nr. 350 / August 2006) manch einen Leser .... und
jener reibt sich verwundert die Augen.
Nach dem alten Sprichwort "Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande" habe ich jedoch Verständnis dafür, daß ein Autor aus Italien herhalten muß, Versäumnisse des hiesigen Verbandes in der Vergangenheit auszubügeln.
Dieser
Artikel ist betitelt "Die erste Nutzung eines Steuer- / Poststempels
der Republik Venedig" (zuvor erstmals veröffentlicht im
"Bulletino Prefilatelico e Storico Postale" / Nr. 136/2006), der
Autor ist Franco Rigo.
(Lesen Sie hierzu auch meinen Artikel: Das
erste gestempelte Papier der Welt)
In seinem Artikel zeigt Rigo auf, daß für bestimmte Privatbriefe der Bürger an den Staat Venedig eine Steuer zu entrichten war, die pauschaliert sowohl für die Briefbeförderung wie für die staatliche Unterstützung beim Schreiben der Briefe anfiel und deren Bezahlung durch einen Stempel auf den Brief gekennzeichnet wurde.
Daß Rigo in seinem (uns vorliegenden, übersetzten) Artikel die Begriffe "Steuerlich und Postalisch" in einen Topf wirft und einen einfachen, austauschbaren, nichtautentischen Bürostempel als Beweis für die Bezahlung der Briefsteuer ansieht, scheint zumindest momentan die Redaktion der "philatelie" nicht zu stören, im Gegenteil:
Jetzt scheint die Gelegenheit gekommen, sich den längst überfälligen Fragen aus den eigenen Reihen nach den "Vorläufern von Philatelie" über die Hintertür aus Italien endlich zu stellen ...
Seien wir darüber froh, wenn auch die nutzlosen Bemühungen der Stempelpapier-Sammler in der Vergangenheit, beim BDPh Gehör zu finden, einen etwas bitteren Nachgeschmack hinterlassen.
A propos Vorläufer der Philatelie ... Im selben Heft der philatelie beginnt Maassen/Tröndles Briefmarkenkunde, Teil 1 überschrieben mit: " Am Anfang war das Wort".
Etwas
vorschnell formulieren die Autoren, daß dieses Wort "Post"
geworden sei. Ebenso muß die Übersetzung des Begriffes Philatelie aus dem
Griechischen dazu herhalten, in seiner Grundbedeutung
"Liebe zu den Marken" zu sein ...
Wohl wird betont, daß die Briefmarke genaugenommen nur eines von vielen
sammelfähigen Objekten der umfassenderen Philatelie darstellt. Die Chance
wird aber vertan, die anderen sammelfähigen Objekte zu benennen, geschweige
denn die geschichtlichen Vorläufer der Briefmarke und der Vormarkenzeit
aufzuzeigen.
"Bund Deutscher Philatelisten" heißt der Verein und "philatelie" heißt sein Organ.
Philatelie bedeutet übersetzt soviel wie "Befreundung mit dem, was abgaben- steuer- und gebührenfrei macht".
Es ist jetzt an der Zeit, sich endlich den eigentlichen Vorläufern der Philatelie zu stellen:
Den
Stempelpapieren!!!
Denn das Wort ist nicht nur Brief oder Post, sondern auch Stempelpapier
geworden; und für alles muß/te bezahlt werden!
Und das, worum der Brief aus der Vormarkenzeit mühsam kämpft, nämlich seine Abstempelung, bringt das Stempelpapier schon mit.